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Türkei auf Türkisch

1984 kommt einer meiner besten Freunde mit der Idee, wir könnten ja mit meinem Auto in das Sommerhaus seiner Familie am Meer in der Nähe von Istanbul fahren und dort den Spätsommer verbringen. Natürlich durch Jugoslawien und Bulgarien, weil „ein Türke ja keinen griechischen Boden betritt“.

Ich besorge mir also das für Deutsche nötige Visum für Bulgarien und prüfe den Ölstand des Fords – Ölwechsel oder regelmäßige Wartung kenne ich damals nicht.

Da ich große Teile meiner Kindheit und die Urlaube als Jugendlicher mit meinem Vater bei seinen Geschäftsreisen sowohl in West- und Nordafrika als auch in Sowjetstaaten verbracht hatte, ist das ganze Theater an den Grenzen und in der Türkei mit Polizei und Militär keine Überraschung für mich. Wir verweigern Bestechungen und müssen zum Dank ewig warten – wir haben ja Zeit.

Was in solchen Ländern auf den Straßen los ist, weiß ich natürlich auch, der Arkadas an meiner Seite zeigt in der Praxis jedoch die größere Sturheit, weshalb ich das Fahren in Istanbul gerne ihm überlasse. Heute ist er übrigens Berufskraftfahrer und findet meinen Fahrstil immer noch zu gutmütig.

Wir gehen auf die Fähre nach Izmir, fahren ein Stück der Mittelmeerküste ab und bleiben dort ein paar Tage. Die meiste Zeit verbringen wir aber in dem Vorort von Istanbul am schönen Marmarameer.

Anfang September steht das islamische Opferfest an und der Vater meines Kumpels schlachtet direkt vor dem Haus eine Ziege – das Blut versickert in der lehmigen Erde. Obwohl es damals in Deutschland keine Dönerbuden gibt, kenne ich schon vor der Reise die köstliche türkische Küche und es geht uns dann beim Balkon Barbekü und Kebab sehr gut.

Weil die türkischen Zöllner bei der Einreise nur ein Surfbrett im Pass eingetragen hatten, verkauft der Kollege das andere in Istanbul – die Verhandlungen mit dem Käufer dauern zwei Tage.

Das Auto verwandelt sich in einen Selbstzünder, der bei heißem Motor einfach weiterläuft, obwohl man bereits den Zündschlüssel abgezogen hat. Angeblich liegt es am Benzin, ich habe das Problem nach dieser Reise tatsächlich nie wieder. Wir halten den Auspuff zu oder würgen den Motor mit der Kupplung ab, damit der Spuk aufhört. Am Ende leckt die Wasserpumpe. Da der Wagen auf der Rückfahrt nahezu ohne Unterbrechung läuft, reicht es aber, bei jeder kleinen Pause das Kühlwasser aufzufüllen, von dem wir genauso viel eingepackt haben wie die Mutter meines Kumpels für uns Reiseproviant.

Der Ford Taunus ist auf der Strecke Frankfurt–Istanbul und zurück eines der am häufigsten vorkommenden Autos. Ohne größere Aufmerksamkeit erregt zu haben, außer mit unserer gepimpten Stereoanlage bei den jungen Türken in Istanbul, kommen wir wohlbehalten nach Frankfurt zurück.